Ausbildungsreferat der Sektion Forchheim


Alpinkletterkurs in den Tannheimern

Im Rahmen des alpinen Kletterkurses zog es uns dieses Jahr Mitte Juni trotz eher bescheidener Wetterprognosen in die Allgäuer Alpen, die zu den Nördlichen Kalkalpen gehören. Diese locken mit ihrer infrastrukturell schnell erreichbaren Lage viele Bergbegeisterte und Urlauber an. Reist man mit dem Auto an, führen die A7 von Ulm über Füssen, oder die A95 über München, nach Kempten. Die gut ausgebaute B19 leitet dann direkt ins Herz der Allgäuer Alpen. Alle wichtigen Talorte sind auch sehr gut mit Bus und Bahn zu erreichen. Der schnelle Hüttenzustieg zum Gimpelhaus, unserem Stützpunkt für das geplante Ausbildungswochenende, und Gipfel und Wände, wie z.B. Gimpelsüdwand oder Rothe Flüh (2111 m), taten ihr Übriges, dass unser Ziel dieses Jahr die Tannheimer Berge werden sollten. Die dortigen Kletterrouten wurden vor zehn Jahren komplett saniert und haben trotz dieses deutlichen Zugewinns an Sicherheit nichts von ihrem alpinen Charakter verloren. Modetouren oder leichtere Touren sind dort wie vielerorts leider durch die häufigen Begehungen etwas blank poliert und an Feiertagen, Wochenenden und in der Ferienzeit sollte man nicht erwarten alleine am Berg unterwegs zu sein.

All diese Überlegungen im Kopf, trafen wir uns bei strömendem Regen um 18.00 Uhr am Freitag Abend in Kempten am Bahnhof, um von dort aus in Fahrgemeinschaften weiter ins Gebirge hinein zu fahren. Als wir eine knappe Stunde später in Nesselwängle (1147 m) angekommen waren, verteilten wir Seile, Kletterausrüstung und diverse andere Ausrüstungsgegenstände (zu denen dieses Wochenende auch der ein oder andere Schirm gezählt wurde) an alle Teilnehmer. Durch Regendunst und Wolkenschwaden zogen wir zum Gimpelhaus (1685 m) hinauf. Eine Stunde später und damit kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir das Selbige und bezogen unser Zimmer.

Das Gimpelhaus ist privat geführt, entspricht aber preislich völlig dem DAV-Hüttenstandard. Auch hier gibt es Lager oder Zimmer, Selbstverpflegung oder Halbpension. Die Hüttenwirtsfamilie steht jedem Gast freundlich und hilfsbereit gerne mit Rat und Tat zur Seite. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und der Bekanntgabe des geplanten Wochenendprogramms stillten wir unseren Hunger mit Suppe und Hausmannskost. Etwas bange ob der Wetterprognose für Samstag schlummerten wir dann dem morgigen Tag entgegen.

Der Samstagmorgen schickte uns wider alle Erwartungen mit einigen Sonnenstrahlen ans Thomaswändchen (1860 m), einen eingerichteten Klettergarten an der Nordseite des Hochwieslers (1950 m). Vom Gimpelhaus aus ist er in einer halben Stunde gut zu erreichen. Dort findet man vor allem leichte Routen (3-5+) in überwiegend festem Fels, doch auch 7er- und 8er-Kletterer kommen hier auf ihre Kosten.

Eine kleine Zwei-Seillängen-Tour (3+,4) rundet das Angebot harmonisch ab. Diese sog. „Spanische Treppe“ (Routenname) bietet sich vor allem an, um Neulingen das Gefühl von Standplatzbau, „Seilhandling“ etc... in der Wand zu vermitteln, ohne sich gleich auf die Gefahren einer großen Bergfahrt einlassen zu müssen. Ein Topo für diesen Klettergarten kann man sich beim Wirt des Gimpelhauses kopieren lassen.

Dort angekommen, kletterten wir zum Aufwärmen und Akklimatisieren ein paar Routen, um uns danach vorerst an die Theorie des Alpinkletterns heran zu tasten. Das Repertoire umfasste außer Seilkommandos im alpinen Gelände, Reihenschaltung und Ausgleichsverankerung auch Abseilen, Routenfindung und Seilmanagement am Standplatz. Die mittlerweile immer wieder über uns hereinbrechenden Schauer konnten unserem Tatendrang keinerlei Abbruch tun. Alle hielten trotz klammer Kleidung, widriger Temperaturen und eisiger Böen tapfer durch und glänzten durch schnelles Auffassungsvermögen und hervorragende Umsetzungsfähigkeit. Doch schließlich bliesen wir während einer anhaltend hartnäckigen Regenfront zum Rückzug. Außerdem wurde es langsam Zeit, sich gepflegt auf das Abendessen vorzubereiten.

Zurück am Gimpelhaus hieß es also den Tag Revue passieren zu lassen, so dass sich das Gelernte festigen konnte, und für den morgigen Sonntag, für den gutes Wetter gemeldet war, eine Tourenplanung auf die Beine zu stellen.

Wir bildeten zwei 3er-Seilschaften und eine 2er-Seilschaft und entschieden uns letztendlich für die Route über den Gimpelwestgrat (Schwierigkeitsgrad 5, 5-6 Seillängen, Kletterlänge ca. 230m); sowie ca. 15 andere Seilschaften auch, doch das sollte uns erst am nächsten Morgen am Einstieg bewusst werden.

Dort trafen wir am Sonntag in aller Frühe all jene, die ebenso wie wir dem Gimpel (2176 m) über den Westgrat auf den Kopf steigen wollten. Was nun? Wir hatten zwar eine zweite Route als Ausweichmöglichkeit vorbereitet, doch war diese genauso voll. Die ganze Senke zwischen Gimpel und Roter Flüh war erfüllt von den widerhallenden Echos unzähliger Seilschaften, die sich ihre Seilkommandos und manchmal auch Schlimmeres oder Unverständliches zuriefen. Wir stellten uns also auf Wartezeit am Einstieg ein. Um diese zu überbrücken, hatten wir bereits Freitagabend unter den Teilnehmern Texte zum Thema Umweltbildung verteilt. Titel der Texte lauteten zum Beispiel „Kulturlandschaft Alpen im Wandel der Zeit“ oder „Die Vegetationszonen der Alpen“. Über die zugeteilten Themen sollten dann im Laufe des Ausbildungswochenendes zwanglose, informative Kurzreferate von den Teilnehmern gehalten werden. Dies wurde unproblematisch in den Tagesablauf mit eingeflochten und mit großer Begeisterung von allen Teilnehmern umgesetzt. Auch unsere Wartezeit an der Judenscharte (auf der sich der Einstieg zum Gimpelwestgrat befindet) wurde so eher kurzweilig.

Doch dann ging es endlich los und wir schraubten uns Seillänge für Seillänge immer höher. Völlig problemlos wurde die Schlüssellänge „Nun Mut Johann“ (5) von allen bewältigt und wir konnten gegen Mittag bei stabiler Wetterlage und Sonnenschein die verdiente Gipfelrast genießen. Nach einem noch steilen, schottrigen und Kräfte zehrendem Abstieg beendeten wir den Kurs am Gimpelhaus mit einem kühlen Umtrunk und machten uns auf den Weg nach Hause. Im Gepäck hatten wir ein paar wunderschöne Stunden im Fels und waren um einige Erfahrungen reicher geworden.

 
   
 

 

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